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Warum der Baikal einzigartig ist
„Heiliges
Meer“, „Perle Sibiriens“, „Brunnen des Planeten“: der Baikal
trägt die verehrenden Namen nicht umsonst. Die Sibirjaken selbst
und viele, die ihn bereist, ihn gesehen haben, sprechen von
einer magischen Kraft, die von seiner unbeschreiblichen
Schönheit ausgeht. Eine Kraft, die den Menschen bewegt und nicht
mehr loslässt, selbst wenn man schon längst weitergezogen ist.
Doch der Baikal fasziniert nicht nur durch seinen unbestreitbar
atemberaubenden Anblick. Er ist in vieler Hinsicht ein
Naturwunder der Superlative, weswegen er auch 1996 in die Liste
der Stätten des Weltnaturerbes der Unesco aufgenommen wurde. Mit
einer Länge von 636 km (etwa die Strecke München-Hannover) und
einer Breite, die zwischen 23 und 80 km variiert, entspricht er
der Fläche von Belgien, ist 44mal so groß wie der Bodensee und
damit der siebtgrößte See der Welt. Er ist der älteste See der
Erde. Während durch die Eiszeit entstandene Seen die Tendenz zur
Verlandung haben und lediglich einige tausend oder
hunderttausend Jahre existieren, ist der Baikal mindestens 25
Millionen Jahre alt – und wächst weiter: Ost- und Westufer
driften in einer Geschwindigkeit von jährlich zwei Zentimetern
auseinander. Geologen gehen davon aus, dass aus dem Baikal ein
Ozean wird. Ursache hierfür sind die anhaltenden tektonischen
Prozesse der interkontinentalen Riffzone, die das Becken des
Sees bildet. Noch heute werden rund um den Baikal etwa 2000
Erdstöße jährlich registriert. Er ist auch der tiefste See der
Welt: bis zu 1632 Meter tief, während die Berge an seinem Ufer
teilweise über 2000m in die Höhe ragen. 330 Bäche und Flüsse
fließen in den Baikal, womit sein Wassereinzugsgebiet die Größe
Frankreichs hat, aber nur ein Fluss aus ihm heraus: die Angara
im Süden des Baikals. Er wird „Brunnen des Planeten“ genannt,
weil er 20% des gesamten Trinkwassers unseres blauen Planeten
enthält. Amazonas, Ganges, Mississippi, Nil, Kongo, Lena, Donau,
Rhein und alle anderen Ströme der Welt müssten ein Jahr fließen,
um den Baikal zu füllen. Würde man seinen Inhalt über die
gesamte Erdkugel verteilen, würde er diese 20 Zentimeter hoch
mit Wasser bedecken. 40 Jahre könnte er allein die
Weltbevölkerung mit Trinkwasser versorgen, bei einem täglichen
Wasserverbrauch von 500 Litern pro Mensch. Dabei beeindruckt
nicht nur die Wassermasse, sondern auch die Wasserqualität. Dank
gefräßiger, winziger – ein bis zwei Millimeter langen – nur im
Baikal lebenden, backenbärtigen Krebstieren, Epischuras genannt,
die als einzigartiger, natürlicher Filter wirken, indem sie
Algen und Bakterien verschlingen, ist der Baikal unvergleichlich
klar, bis zu 43 m Sicht, und hat Trinkwasserqualität. Was für
ein großer Schatz dieses Süßwasserreservoir ist, wird einem
bewusst, wenn man sich vor Augen führt, dass zur Zeit mehr als
zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser
haben.
Ebenso
einzigartig ist die Pracht und Üppigkeit von ihm und der ihm
umgebenden Natur. Sein Ufer beheimatet eine artenreiche Tierwelt,
die auf Erden ihresgleichen sucht: es wurden 2600 verschiedene
Tier- und Pflanzenarten gezählt, von denen mehr als zwei Drittel
als endemisch gelten, was bedeutet, dass sie ausschließlich am
Baikal vorkommen. Damit sind am Baikal mehr seltene oder
einzigartige Tierarten zu finden, als auf den Galapagosinseln,
in Neuseeland oder auf Madagaskar. Unter den 65 Säugetierarten
leben hier die einzigen Süßwasserrobben der Welt, die“nerpas“,
Sibirische Rehe, Zobel, Weißhasen, Rentiere, Rote Wölfe, Luchse,
Elche und natürlich der Zar der Taiga: der Braunbär. Von den 53
Fischarten sind 27 endemisch und es existieren hier 358
Vogelarten, darunter Steppenadler, Steinadler, Seeadler,
Schwarzer Kranich und die Mongolische Lerche. Im Herbst ist der
Baikal ein wichtiger Rastplatz für viele Millionen Zugvögel,
allein im Selenga-Delta für fünf Millionen.
Die
Landschaften rund um den See reichen von weissen Sandstränden
über Steppe, Tundra, endlosen Taigawäldern bis zu Gebirgsketten
mit schneebedeckten Gipfeln und bunten Blumenwiesen. Im Winter
friert der gesamte Baikal zu, so dass man ab Mitte Januar eine
geschlossene, bis zu anderthalb Meter dicke Eisschicht betreten
kann, auf der Anfang des 20. Jahrhunderts sogar in einigen
Jahren Schienen der Transsibirischen Eisenbahn verlegt wurden.
Schon 1916
wurde die Einzigartigkeit des Sees realisiert und der erste
Nationalpark, das Bargusin Reservat, gegründet. Heute umrunden
insgesamt sieben Nationalparks oder Reservate fast den gesamten
See.
Trotz der
Schutzgebiete und der Anerkennung als Weltnaturerbe wird der
Baikal leider weiterhin von vielen Gefahren bedroht.
Neben
naturfeindlicher Landwirtschaft, Wilderei, unkontrollierter
Überfischung, rücksichtslosem Abholzen der Wälder und
unkontrollierter Siedlungspolitik, stellen Industriebetriebe mit
ihren industriellen Abwässern und Ölpipelines, bei denen wegen
der vielen Erdstöße in der Region die Unfallwahrscheinlichkeit
relativ hoch ist, wohl die größten Gefahren dar.
Beispielhaft ist dies an dem 1966 in Baikalsk, im Süden des
Baikals, gegründeten Zellulose- und Papierkombinat zu
veranschaulichen, das in den Anfangsjahren die hochgiftigen
Abfallstoffe, wie krebserregende Dioxine, Phenole und organische
Chlorverbidungen, nahezu ungeklärt in den See leitete. Heute
gibt es Klärbecken, die allerdings nur einen Kilometer vom See
entfernt gebaut wurden, wobei Umweltaktivisten bezweifeln, dass
sie dicht halten. Ende der 90er lagerten dort schon fünf
Millionen Tonnen hochgiftigen Klärschlamms, samt Kadmium, Blei
und Quecksilber. Täglich kommt eine halbe Tonne hochgiftiger
Schadstoffe dazu. Tendenz steigend und immer noch werden
bestimmte Abwasser direkt in den Baikal geleitet. Ein Kredit,
den die Weltbank in Aussicht gestellt hatte, um eine
Modernisierung des Werkes durchführen zu können und somit den
einzigen Arbeitgeber der Stadt Baikalsk zu erhalten, wurde 2002
wegen Untätigkeit der Werksleitung zurückgezogen.
Auch wenn
ein Ende der Verschmutzung trotz harten Kampfes von
Umweltorganisationen noch nicht erreicht wurde, sind die Folgen
schon unverkennbar sichtbar. Hunderte von
Grenzwertüberschreitungen, sowie gravierende Veränderungen in
der einzigartigen Flora und Fauna des Sees wurden bereits
registriert. Schon in den 90ern stellte man einen Rückgang der
Zahl von wirbellosen Tierarten von 47 auf sieben fest, eine
Verminderung des Wuchs von Fischen (Fanggewicht des Omuls hat
sich halbiert), eine erhöhte Sterblichkeit der Epischuras, dem
natürliche Filtersystem des Sees und eine starke Beeinflussung
der Fischpopulation sowie der Baikalrobbe, in dessen Fett
Wissenschaftler Ende des 20Jahrhunderts das hochgefährliche
Umweltgift Dioxin fanden.
Das Unikum
Baikal, seine Pracht und Vielfalt darf nicht zerstört werden.
Deswegen arbeitet GBT für die Entwicklung eines ökologischen
Tourismus. Dieser ist eine Alternative zu der industriellen
Entwicklung der Baikalregion und hilft somit sowohl die
ökonomische Situation der Bevölkerung zu verbessern, als auch
diese einzigartige, wertvolle Natur zu schützen, damit die
magische Kraft der „Perle Sibiriens“ die Welt noch weitere
Millionen Jahre faszinieren kann.
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